Spiele spielen

In meiner Familie wurde mit Kindern wenig gespielt, einmal jedoch kam eine spannende Partie zustande, die keiner der Teilnehmer jemals vergessen hat:

Wir drei Kinder hatten mit unserer alleinerziehenden Mutter eine recht armselige Wohnung bezogen und hielten uns mehr als schlecht und recht über Wasser. Zum Weihnachtsabend kreuzte unser ehemaliges Familienoberhaupt auf und glänzte – wie immer – nicht durch gutes Benehmen, was ich hier aber nicht weiter erläutern will. Auf dem Tisch lag eine aufgeschlagene Illustrierte, auf der „Kinderseite“ war ein Würfelspiel abgebildet, das inhaltlich auf Weihnachten zugeschnitten war. Man würfelte, um auf den Kästchen an verschiedenene Hindernissen vorbei ins Ziel zu kommen. Es gab natürlich interessante Sonderfelder, unter anderem ein ganz besonderes „Ruhmesfeld“: Erreichte man dies, so sollten alle anderen Mitspieler die heiligen drei Könige imitieren, die den Mitspieler anbeten sollten. Das klang lustig und leicht, sodass auch die jüngste Schwester Spiele spielen konnte und unserer armen Mama gefiel es, das wir sie dabei haben wollten, so war auch der Vater Feuer und Flamme, nicht nur mitzutun, sondern auch haushoch zu gewinnen!

Ohne Kommunikation unter uns, war uns allen klar, dass er es nicht verdient hatte. Drohte Gefahr, dass er das Feld erreichen sollte, das uns zu der vorhin erklärten Demutsgeste verpflichten sollte, wurde er „geschlagen“, der eine bewachte ihn von vorn, der nächste verfolgte ihn und ein anderer schlug ihn über Kreuz. Das war kein Spiel, sondern eine Schlacht! Als er fortging an diesem Tage, war ihm klar, was er verloren hatte. Wir anderen bildeten eine Familie, wir halfen uns, wir waren ein Team.